Kultur ist Bildung!

Wir brauchen, um bestehende gesetzliche Barrieren abzubauen, im ersten Schritt geeignete Maßnahmen, um geistige Barrieren abzubauen.
Da gibt es kein besseres Instrument als es über kulturelle Arbeiten zu versuchen.
Denn kulturelle Arbeiten setzen das Denken ohne Grenzen voraus.
Deshalb ist es so wichtig kulturelle Arbeiten dementsprechend stark genug zu fördern.
Denn Kultur ist Bildung!

When we design for disability, we all benefit (Elise Roy)

Design-Thinking auch für Menschen mit Behinderung!

Vorteile für Menschen mit Behinderung können auch für Menschen ohne Behinderung von Vorteil sein, ebenso umgekehrt.
Wussten Sie, dass z.B. die „SMS“ ursprünglich für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen erfunden wurde?
Ich selbst arbeitete z.B., in meiner Zeit für o2 Germany, an Videokommunikationsmöglichkeiten, technisch und prozesstechnisch, für Menschen mit Hörbeeinträchtigung mit.
Wie würde die moderne Telekommunikation aussehen, hätten wir nicht die Menschen mit Hörbeeinträchtigung?
Ich bin dankbar, dass Frau Elise Roy hier in ihrem Vortrag aufzeigt, wie wichtig das Design-Thinking auch für Menschen mit Behinderung ist.

Elise Roy: „… Stellen Sie sich vor, Sie hören ein Gespräch, von dem Sie nur 50% des Gesagten verstehen. Sie können nicht um ständige Wiederholungen bitten. Das wäre frustrierend. Völlig unbewußt veränderte ich den gedämpften Ton, das Pochen, das ich hörte, zu einem Rhythmus und kombinierte ihn mit dem Lippenabsehen. Jahre später bemerkte jemand, dass ich rhythmisch schrieb. Das war so, dass ich Gespräche als Rhythmen wahr nahm. Ich wurde auch gut im Scheitern …
… Aber ich lernte wieder aufzustehen, änderte einige Dinge und hatte schließlich Erfolg …
… da ich mich immer anpassen musste, entwickelte ich viele Lösungen zur Problemlösung, oft unter Einschränkungen und Begrenzungen …
Geben Sie Menschen mit Behinderung die Chance, Ihren Blickwinkel zu ändern und währenddessen einige der größte Problem zu lösen.

nothing about us without us

Wird es in den demokratischen Parteien ausreichend gelebt für Frauen, Alte, Jugend, Arbeiter, Angestellte, Menschen mit allen verschiedenen besonderen Bedürfnissen, mit Migrationshintergrund, mit unterschiedlichen Weltanschauungen, verschiedenen sexuellen Orientierungen, etc.?
Es gibt noch gewaltig viel zu tun an deutlicher Verbesserung innerparteilicher Demokratie!
Dazu ärgert mich seit Jahren eine bestimmte Situation für Gehörlosenpolitik im Europaparlament als ein Beispiel.
Wir haben zwar zwei Abgeordnete im Europaparlament, die sich erfolgreich für mehr Teilhabe für gehörlose Menschen einsetzen. Beide sind selbst gehörlos.
Dadurch, dass sie für sich selbst als Gehörlose sprechen können, werden ihre besonderen Bedürfnisse überzeugender vermittelt.
Ich wurde schon verschiedenen EuropaparlamentsmitgliederInnen auf diese beiden angesprochen und wie schön es ist, die Gebärdensprache im Europaparlament erleben zu können.
Das ist richtig und sehr wichtig.
Das ist ein wichtiges Beispiel, warum wir dieses erfolgreiche Beispiel auch für andere Menschen mit besonderen Bedürfnissen erreichen müssen.
Allerdings,
der eine gehörlose Abgeordnete gehört in Ungarn der FIDISZ an, die andere gehörlose Abgeordnete gehört in Belgien der N-VA (Nieuw-Vlaamse Alliance) an.
Ich kenne keineN andereN gehörloseN SelbstvertreterIn von einer anderen Partei im EP.
Es ist ein krasser Widerspruch, wenn SelbstvertreterInnen zwar für sich sprechen können, zugleich jedoch andere Menschen, die „anders“ oder Flüchtlinge sind, ausgrenzen wollen.
Das ist das Gegenteil von Inklusion. Inklusion setzt gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen, ob sozial oder kulturell, voraus.
Warum hat sich bisher keine der demokratischen Parteien gewehrt mit eigenen SelbstvertreterInnen, zum Beispiel für gehörlose Menschen?
Gerade demokratische Parteien müssen ihre innerparteiliche Struktur dahingehend ausreichend verbessern, dass „nothing about us without us“ tatsächlich gelebt werden kann.Dies ist auch ein weiteres und wichtiges Mittel, um rechtspopulistische, illiberale Parteien zu bekämpfen!

Definition der „Behinderung“

Grundlage für die UN Konventionen für Menschen mit Behinderung war die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2001:
„Jede Form körperlicher, seelischer, geistiger oder Sinnesbeeinträchtigung wird als normaler Bestandteil menschlichen Lebens und menschlicher Gesellschaft ausdrücklich bejaht und darüber hinaus als Quelle kultureller Bereicherung wertgeschätzt.“
Deshalb ist es eine Diskriminierung, dass nach wie vor nicht ALLE „Behinderung“sarten gleichberechtigt behandelt und unterstützt werden, in der Bildungspolitik, im Arbeitsmarkt, in den Parteien und in unserer Gesellschaft.
Deshalb ist es eine Diskriminierung, dass in der Politik nach wie vor Entscheidungen von nicht SelbstvertreterInnen über Menschen mit Behinderung getroffen werden. (Es ist genauso anmaßend, wie z.B. Männer noch weiter allein über Frauenrechte entscheiden würden.)
Diese Herausforderung können wir nur schaffen und bewältigen, wenn endlich verstanden wird, dass wir es nicht mit Behinderten zu tun haben, sondern mit Menschen, die behindert werden!

Jeder Mensch hat einen Förderanspruch!

Solange es Förderschulen gibt, bleibt die Inklusion im Arbeitsmarkt und in unserer allgemeinen Gesellschaft erschwert!


Arbeitsmarkt
Förderschüler ohne Bildungsabschluss haben im ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen, wenn doch, dann meist nur mit staatlicher Unterstützung. Förderschüler mit Bildungsabschluss können zwar Chancen im regulären Arbeitsmarkt finden, jedoch zum großen Teil nur in einfachen und mittleren Einkommensgruppierungen, und dies auch fast nur bei öffentlich rechtlichen Arbeitgebern.
In höheren Einkommensgruppierungen und akademischen Berufen findet man kaum Förderschüler. Wenn doch, dann nur weil sie den Bildungsweg über eine Regelschule fortsetzten.
Warum gibt es für Förderschüler im privaten Arbeitsmarkt so wenig Inklusion?
Es fehlen soziale Kompetenzen, die nur mittels gemeinsamem Lernen ausreichend erworben werden können.
Wie sollen z.B. Personalchefs oder Arbeitgeber, die nicht gemeinsam mit Kindern mit Fördermehrbedarf gelernt haben, genügend soziale Kenntnisse im Umgang mit diesen haben?

Haupt-, Realschule und Gymnasium
Zwar bekommen bestimmte Schüler mit Fördermehrbedarf die Chance auf den Besuch einer Regelschule, jedoch kaum auf den Besuch eines Gymnasiums.

Einerseits aus dem Grund, dass bestimmten Kindern mit Fördermehrbedarf nicht zugetraut wird, das Abitur schaffen zu können, vor allem Kinder mit Downsyndrom, Autismus, Armut, Taubblinde u.w..

Andererseits haben Eltern die Sorge, dass die Entwicklung ihres Kindes ausgebremst würde, wenn ihr Kind gemeinsam mit einem Kind mit Fördermehrbedarf lernen soll.
Zukünftige Personalchefs oder Arbeitgeber kommen jedoch meistens über den Bildungsweg Gymnasium, kommen so kaum mit Kindern mit Fördermehrbedarf zusammen und können so gar nicht die erforderlichen sozialen Kompetenzen erlernen.
So bremst nicht nur das System Förderschule die inklusiven Prozesse im Arbeitsmarkt aus, sondern auch das parallele Bildungssystem.
Um die Inklusion im Arbeitsmarkt tatsächlich zu erreichen, ist es wichtig sich auch anzuschauen, wie das Bildungssystem in anderen Ländern ist.

Länder mit besonders hohen Inklusionsquoten
In Italien wurden Förderschulen und Sonderklassen schon vor über 30 Jahren abgeschafft. Alle Schüler werden bis zur 8. Klasse in den gleichen Bildungseinrichtungen unterrichtet …“
Auszug aus dem Artikel
http://www.diplomatisches-magazin.de/special-03-2014-de/?PHPSESSID=4ajm5f4q41ipckjbia7l7diif7

In den drei kanadischen Provinzen New Brunswick, Prince Edward Island und Québec wird ein anderes Modell zur Sonderpädagogik praktiziert:
„…Diese stellt einen Gegenentwurf zur in deutschsprachigen Kontexten vorherrschenden Profession der Sonderpädagogin bzw. des Sonderpädagogen dar, da sie sich „nicht über eine speziell auszuweisende Klientel, sondern über ihr spezifisches Wissen und Know
How definiert, welches die willkürliche Definitionsgrenze der Komposita mit „Sonder-“ obsolet macht…“

Sehr wichtig ist auch, wie der Förderbedarf definiert wird. Im internationalen Vergleich geht Kanada mit dem Begriff Inklusion am weitesten: „Every individual is equal before and under the law and has the right to the equal protection and equal benefit of the law without discrimination and, in particular, without discrimination based on race, national or ethnic origin, colour, religion, sex, age or mental or physical disability.”

Mehr zu den beiden obigen Punkten siehe bitte unter
http://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/196/202

Inklusion im Arbeitsmarkt und in unserer Gesellschaft
Wenn nun grundsätzlich jedes Kind gefördert wird, dann werden sicher eher alle Eltern bereit sein ihr Kind „ohne Fördermehrbedarf“ gemeinsam mit Kindern „mit Fördermehrbedarf“ lernen zu lassen.
So dass es später mehr private Unternehmen wie z.B. SAP, wo relativ viele Autisten Erfolg haben, geben wird.
Wir brauchen auch mehr gesellschaftliche Aufklärung, so dass wir die persönliche Leistung neu definieren. Z.B. in Spanien gibt es eine Stadträtin mit Downsyndrom. Wann sind wir ebenfalls dazu in der Lage?

Politische Teilhabe – „Nothing about us without us“

Nach wie vor, es sind viel zu wenige Menschen mit Behinderungen in den Parteien vertreten, bestimmte Behinderungen nach wie vor gar nicht. Noch schlimmer sieht es mit den Parteiämtern aus.
Dies bestätigt, dass es eben nicht ausreicht für ausreichende Barrierefreiheiten zu sorgen, sondern auch die Parteien müssen den Begriff Behinderung neu erlernen.
„Nothing about us without us“

Diversity-Denken

Basierend auf das allgemeine Diversity-Denken, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte im Jahr 2001 (5 Jahre vor der Verabschiedung der UN Konvention für Menschen mit Behinderung):

„Jede Form körperlicher, seelischer, geistiger oder Sinnesbeeinträchtigung wird als normaler Bestandteil menschlichen Lebens und menschlicher Gesellschaft ausdrücklich bejaht und darüber hinaus als Quelle kultureller Bereicherung wertgeschätzt.“

Von dieser Aussage aus müssen wir auch sagen und auch tief in uns denken, es gibt keine Behinderte, sondern wir haben es mit Menschen zu tun, die behindert werden und sie bereichern uns, wenn wir es zulassen.

Und die Bereicherung wird am grössten, wenn wir alle sie alle auch wollen!

Prof. Andreas Hinz spricht über Inklusion

Mein Gedanke zum Artikel von „Aktion Mensch“, s.u.:
Die Lösung liegt im Denken des individuellen Förderbedarfs!
Hätte sich z.B. damals die Schulbehörde in meinem Fall gemeinsam mit den Lehrern durchgesetzt, ich hätte nicht den Weg der Lautsprache gehen können, sondern wäre auf der Gehörlosenschule gelandet und hätte keine ausreichende logopädische Schulung/Förderung bekommen!
Es gibt eine ganze Reihe von ehemaligen Förderschülern, die falsch oder nur unzureichend gefördert wurden, weil eben man nicht auf den individuellen Förderbedarf einging und noch eingeht, sondern dass man Gruppen-Maßstäbe auf einzelne Individuen zu übertragen versucht.
Solange es so weiter geht, werden wir jeden einzelnen nicht optimal fördern und ebenso nicht die maximal mögliche Vielfalt erreichen können.
Solange wird es auch dauern bis wir z.B. eine Mehrfachbehinderte als Bundeskanzlerin haben.

Auszug aus dem Artikel:
„Prof. Andreas Hinz spricht über #Inklusion: „Es geht los bei den Lehrerinnen und Lehrern, die traditionell gewohnt sind, alleine für eine Lerngruppe verantwortlich zu sein und die Klassentür geschlossen zu halten. So ist Inklusion längerfristig nicht denkbar. Inklusion braucht Teamstrukturen, Teamarbeit und Prozesse des sich miteinander Beratens. Im Alltag passiert es oft, dass Inklusion mit bestehenden Hierarchien in Konflikt kommt. Nämlich dann, wenn von oben nach unten entschieden wird und die, die weiter unten stehen, keine Möglichkeit zur Partizipation haben.“ (Andreas Hinz im Interview mit der Aktion Mensch​).

Ihre Meinung… Professor Hinz
„Wir können uns nicht mehr aussuchen, ob wir Inklusion umsetzen – wir müssen es“

Hörgeschädigte, Gebärdensprachler*innen und der inklusive Prozess

Ob leicht-, mittelgradig, an die Taubheit grenzend schwerhörig, ertaubt, taub, taubblind, ob CI-Nutzer*in, ob Gebärdensprachler*in oder nicht, der richtige inklusive Prozess für Hörgeschädigte, Gebärdensprachler*innen und Taubblinde kann nur dahin gehen, dass alle Gruppierungen gleichberechtigt behandelt, berücksichtigt und unterstützt werden, wie auch jedeR Einzelne optimal gefördert, unterstützt wird. Erst dann kann der inklusive Prozess richtig sein.

Und keiner darf für seine/ihre Entscheidung negativ kritisiert werden, wenn er/sie sich dafür entscheidet ein CI, Hörgerät oder lieber die Gebärdensprache zu nutzen. Das kann nur jedeR Einzelne für sich selbst herausfinden, wie man im Leben am besten mit den verschiedenen Barrieren und Hilfen zurecht kommt.

Und es muss aufhören, dass Menschen denken, wenn ein Mensch „anders“ spricht, dass man dann deshalb für „dumm“ gehalten, nicht gleichermaßen gewürdigt und wertgeschätzt wird.

Und immer wieder möchte ich daran erinnern, dass die z.B. die spanische Gesellschaft inzwischen reifer ist, wo sie schon eine Stadträtin mit Downsyndrom haben.

Ich kann es nicht mehr hören, „das kann sie doch nicht …“ Genau darin liegt der Denkfehler und muss unsere allgemeine menschliche Haltung in Frage stellen!

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