Hörgeräte und die fortlaufende Erpressung

Gestern, wieder mal ein Mensch mit Hörgeräteproblem …

Gestern Abend an der Kasse der Tankstelle verstand ich den Kassierer nicht ganz richtig, er mich auch nicht. Da sah er meine Hörgeräte und fragte, ob ich DGS könne. ja, natürlich.


Wir unterhielten uns dann in LBG (lautsprachbegleitende Gebärden, damit andere in unserer Runde verstehen konnten, worüber wir sprechen.


Er lernte zuvor, aus der Not heraus, wegen unzureichender Kassengeräte, DGS. Er nutzte die jahrelang bis er sich entschloss sich bessere, teurere zu kaufen. Er ist eigentlich Mercedes Mitarbeiter, sein Gehalt reicht jedoch nicht, deshalb der Nebenjob bei der Tankstelle.
Nun, in “meinem“ Verein zahlen 90% der Mitgliederinnen und Mitglieder erheblich zu, da eben Kassengeräte unzureichend sind!


Kaum jemand hat den Mut und die Kraft sich auf jahrelange Gerichtsverfahren einzulassen (darauf spekuliert ja eine KV grundsätzlich!)! Und es gibt auch einige die wegen Überschuldung, wegen eben dieser Hörgeräte Insolvenz melden mussten!

Nun, seit meiner Kindheit half mir meine Familie mich mit jeweils besten Geräten zu versorgen, so dass ich deshalb lautsprachig aufwachsen und ganz normal an unserer Gesellschaft teilhaben kann!

Nun, wann wird diese „Erpressung“ gegenüber Menschen, die sich für ein ausreichendes Hörgerät entscheiden, beendet?

CODA

Es ist sehr erfreulich und hoffnungsvoll für die gebärdensprachorientierten Menschen, dass mit CODA ein zweiter Film zum Thema Gebärdensprache mit Oskars prämiert wurde. Der Erste hat den Titel „Gottes vergessene Kinder“.
In Deutschland ist es der dritte international erfolgreiche Film zum Thema „CODA“. Dieses Thema ist in Deutschland ungemein wichtig, weil es besondere Probleme mit hörenden Kindern von gebärdensprachorientierten Eltern aufzeigt. Die beiden älteren Filme heißen „Jenseits der Stille“ und „Verstehen Sie die Beliers?“

Nun könnt Ihr Euch denken, welche Botschaft ich nun Euch wiederholt mitteilen möchte?
Ich vermisse nach wie vor die Gleichberechtigung für lautsprachorientierte Menschen, die taub sind, erlaubt sind, an die Taubheit grenzend schwerhörig, CI Nutzer*innen, etc. sind.
Für diese gibt es nach wie vor zu wenig Interesse, obwohl auch diese mit mindestens gleichen Diskrimierungen zu kämpfen haben!
„Danke“ dafür an die Filmindustrie, auch Presse und Politik!

EuroTrak 2018: Schwerhörigkeit im europäischen Vergleich – Deutschland bleibt stabil

Eine interessante Studie zum Thema Hörschädigung und Hörgerätenutzung im europäischen Vergleich, die vielleicht für einige für Überraschungen sorgen könnte

Quelle
https://bvhi.org/2018/10/10/eurotrak-2018-schwerhoerigkeit-im-europaeischen-vergleich-deutschland-bleibt-stabil/?fbclid=IwAR05jGx3C0wzu4ZNmrZC2wk4oApbibg-FfcVoPMtPg3d3550zuBUUER0_eY

Black Lives Matter (auch in Europa)

Ich frage mich, wie mein Leben als Schwerbehinderter (musste damals noch diese gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten tragen, damit ich den ÖNV kostenlos nutzen konnte) mit schwarzer Hautfarbe zu meiner Grundschulzeit verlaufen wäre, zu der Zeit in den Schulen noch sehr viele aus der Nazi-Zeit unterrichteten!
Ob ich auch nach Ende meiner Schulzeit, wie nach Erreichen meines Diploms, die gleichen Chancen mit dieser Hautfarbe als Bundesbeamter bekommen hätte?
Sind wir heute weiter?
Ich denke, nicht wirklich …

Kultur ist Bildung!

Wir brauchen, um bestehende gesetzliche Barrieren abzubauen, im ersten Schritt geeignete Maßnahmen, um geistige Barrieren abzubauen.
Da gibt es kein besseres Instrument als es über kulturelle Arbeiten zu versuchen.
Denn kulturelle Arbeiten setzen das Denken ohne Grenzen voraus.
Deshalb ist es so wichtig kulturelle Arbeiten dementsprechend stark genug zu fördern.
Denn Kultur ist Bildung!

Gewalt zuhause

Ich finde die aktuelle Debatte um das Abwägen zwischen den Risiken der Verbrechen zuhause mit den Risiken durch die Infektionsgefahr schwierig und problematisch.
Denn noch immer gibt es keine wirklichen medizinischen Mittel gegen Covid-19, während mehr Schutz gegen die Gewalt zuhause möglich ist, wenn es ausreichendes Interesse dafür gibt!
Man muss daher statt dessen die Debatte auf die längst überfälligen nötigen und ausreichenden Hilfs- und Schutzmaßnahmen gegen die Gewalt zuhause lenken und auf dieser Ebene führen, denn diese Probleme existierten schon vor dem Lockdown!
Das Corona-Problem hat dieses Problem „Gewalt zuhause“ nur verdeutlicht und verschärft!
D.h. mit dem Ende des Lockdowns werden die Ursachen für die Gewalt zuhause nicht wirklich gelöst, sondern die Aufmerksamkeit über dieses Problem könnte sogar dadurch wieder geringer werden!
Also muss deshalb die laufende Debatte zur Gewalt zuhause anders geführt werden, um endlich das Problem Gewalt zuhause tatsächlich zu lösen!